„Aus der Vergangenheit lernen“
Volkstrauertag: Norbert Post sprach bei der Gedenkfeier am Ehrenmal in Neuwerk
70 Jahre nach Kriegsbeginn 1939 haben die Neuwerker am heutigen Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. 700 Gefallene sind am Ehrenmal im Schatten des Klosters verzeichnet, unzählige weitere Menschen wurden Opfer der Verfolgung oder verloren in Neuwerk ihr Hab und Gut. Im Namen ihrer dankte der Neuwerker Landtagsabgeordnete Norbert Post den Gästen für ihr Kommen und damit ihrem Zeichen der Verbundenheit. An der Gedenkfeier mit Gottesdienst in der Klosterkirche und Kranzniederlegung nahmen neben den Neuwerker Heimatfreunden auch die Gesangsvereine, viele Bruderschaftler, Vertreter des DRK, der Bezirksvertretung und der Feuerwehr sowie zahlreiche Bürger teil.
In seiner Rede erinnerte Norbert Post an einen damals 17-Jährigen Neuwerker, der 1945 nach wenigen Tagen in der Wehrmacht an der Ostfront in fünfjährige Gefangenschaft geriet. Krank und kraftlos sei er nach Neuwerk zurückgekehrt, die fünf Jahre der Gefangenschaft hätten ihm bis ans Ende seines Lebens gefehlt. „So wie ihm wurden vielen tausend auch aus unserem Ort Jahre des Lebens geraubt. Vielen aus Neuwerk wurde für viele Jahre der Partner genommen, wurde für viele Jahre ihr Hab und Gut, ihr Dach über dem Kopf genommen. Viele aus Neuwerk haben für viele Jahre gedarbt und gehungert“, sagte Post. „Ich erzähle die Geschichte des jungen Mannes aber auch, weil viele tausend Menschen auch heute noch genau dieses Schicksal erleiden. Weil immer noch Krieg herrscht. Kriegt raubt Leben, Krieg raubt Freiheit, Krieg raubt Jugend, Krieg raubt Ehre. Krieg ist wie eine gierige Hyäne, die alle nimmt, was sie findet.“
Doch Norbert Post versteht den Volkstrauertag nicht nur als einen Tag des stillen Gedenkens an alle Opfer von Krieg und Gewalt, sondern zugleich als einen „Tag der Besinnung, wie wir heute auf Krieg, Gewalt und Terror reagieren, was wir heute für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit bei uns und in der Welt tun können.“ So sei das Gedenken an die Toten auch Mahnung, aus der Vergangenheit zu lernen: „Wann immer und wo immer wir heute helfen können, Blutvergießen zu beenden und Not zu lindern, wenn wir einen Beitrag leisten können, Versöhnungsprozesse voranzutreiben, wenn wir helfen können, Menschen vor Gewalt und Terror zu schützen, dann müssen wir es tun“, so Post, der hervorhob wie wichtig es sei, dass deutsche Soldaten an Friedensmissionen in der Welt beteiligt sind. „Deutschland stellt sich damit der Verantwortung, die die internationale Staatengemeinschaft von unserem Land erwartet. Denn nicht beiseite zu stehen, sondern Verantwortung zu übernehmen, ist eine der Lehren unserer eigenen Geschichte.“
Erinnerungskultur sei die bewusste Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. „Ob wir die Lektionen der Vergangenheit gelernt haben, ist noch offen. Aber wir entscheiden mit darüber, wie das 21. Jahrhundert verlaufen wird.“ Der Volkstrauertag ist ein Tag der Erinnerung und der Besinnung: der Erinnerung an Krieg und Gewalt und des Gedenkens an die Toten. „Wir verneigen uns in Trauer vor ihnen und bleiben ihnen verbunden in der dauerhaften Verpflichtung für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit“, sagte Post und forderte: „Lassen Sie uns unser Versprechen erneuern, dass wir den hier verzeichneten Opfern aus Krieg, Gewalt und Verfolgung durch unser Gedenken gegeben haben: dass von hier kein Krieg mehr ausgehen darf.“


