„Medikamente nicht neben Kraftstoff und Kaugummis anbieten“
MdL Norbert Post warnt vor Arzneimittelabgabe an Tankstellen:
Mit großer Sorge beobachtet der Mönchengladbacher Landtagsabgeordnete Norbert Post das Bestreben von Tankstellen, so genannte Pick-up-Stellen und damit einen Bestell- und Abholservice für Arzneimittel einzurichten. „Ich sehe kein Problem darin, wenn die Mönchengladbacher Bürger Dinge des alltäglichen Bedarfs wie zum Beispiel Pflaster an Tankstellen kaufen können. Aber ich warne vor einem sorglosen Umgang mit apothekenpflichtigen Medikamenten“, so der sozialpolitische Sprecher der Landes-CDU, der nun mit seiner Fraktion in Düsseldorf entsprechende Maßnahmen ergriffen hat: „Wir wollen uns auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass rechtliche Regelungen geschaffen werden, die die Einrichtung von Pick-up-Stationen an Tankstellen unterbinden.“
Die Ursache für die bedenkliche Entwicklung liegt schon einige Jahre zurück: Auf Grund einer Gesetzesänderung dürfen Apotheken seit 2004 Versandhandel mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln betreiben. „Dadurch sollte vor allem älteren und kranken Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, geholfen werden. Auch für Berufstätige, die wenig Zeit haben, ist die Bestellung über das Internet oder Telefon eine interessante Alternative. Vor allem aber können chronisch Kranke, die regelmäßig bestimmte Arzneien benötigen, von günstigeren Preisen profitieren“, erklärt Norbert Post.
Diese rechtliche Möglichkeit nutzten Drogerieketten und richteten in ihren Filialen so genannte Rezeptsammelstellen ein. Dies bedeutet, dass der Patient sein Rezept dort abgeben muss, hier aber nicht die direkte Ausgabe des Medikaments wie in der Apotheke erfolgt, sondern die Rezepte zentral gesammelt und an eine in der Regel europäische Versandapotheke weitergeleitet werden. Dort wird das Medikament dem Rezept zugeordnet und verpackt, und im Anschluss nicht direkt an den Patienten, sondern an die Rezeptsammelstelle zurückgeschickt. Diese Idee haben nun Tankstellen aufgegriffen: An vier Shell-Tankstellen in der Grenzregion Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wird der Service bereits angeboten. Das Modell soll nach erfolgreichem Ablauf auf 20 Tankstellen in Ballungszentren in der Nähe von Autobahnen erweitert werden. Danach könnten 2200 weitere Pick-up-Stellen bundesweit folgen.
„Diese Variation des Versandhandels war zum Zeitpunkt der Gesetzgebung nicht vorgesehen und auch nicht absehbar“, erklärt Norbert Post und warnt vor einem sorglosen Umgang mit Medikamenten. „Gerade im Zuge der Suchtprävention muss man mit Arzneimitteln vorsichtig umgehen. Sie sind Waren besonderer Art, die mit Nebenwirkungen verbunden sind. Wenn sie aber an der Tankstelle neben Kraftstoff, Kaugummis und Zeitschriften angeboten werden, werden sie durch dieses Umfeld verharmlost.“ Problematisch sei auch die sachgemäße Behandlung und Lagerung der Medikamente. Des Weiteren falle der Apotheker als eine wichtige Kontrollinstanz bei der Abgabe der Medikamente weg. „Diese Beratung und Kontrolle kann von Tankstellenpersonal üblicherweise nicht geleistet werden“, so Norbert Post.
Im vergangenen Jahr entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass die Abgabe im Wege des Versandes über die "Pick-up-Stationen" rechtlich nicht zu beanstanden ist. Norbert Post: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir auf der einen Seite nicht die nötige Sorgfalt im Umgang mit Medikamenten verlieren und die Versorgung der Mönchengladbacher andererseits absolut gewährleistet ist. Drogerien haben in der Regel samstags bis nachmittags geöffnet, und wir haben zudem ein ausreichendes Angebot an sonntags geöffneten Apotheken.“


